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Südafrika mit Kindern

Suedafrika_am_Strand

Südafrika ist ein ideales Fernreiseziel für Familien mit Kindern. Es gibt keine bzw. maximal eine Stunde Zeitverschiebung und die meisten Flüge sind Nachtflüge mit Abflug abends und Ankunft morgens. Die Infrastruktur hat europäisches Niveau und weite Teile des Landes sind malariafrei.

Wir waren schon mehrmals mit unseren Kindern am Kap, allerdings immer nur an ein einem bzw. maximal zwei Orten, von wo aus wir Tagesausflüge unternommen haben. Jetzt sind unsere Mädels acht und zehn Jahre alt, somit sind wir in den Herbstferien 2017 zu unserer ersten richtigen Südafrika-Rundreise aufgebrochen. Endlich mal wieder Urlaub in Südafrika.

Nach einem entspannten Flug von Düsseldorf über London landen wir an einem sonnigen Sonntagmorgen in Johannesburg. Nach kurzer Zeit sitzen wir in unserem Mietwagen und fahren in Richtung Norden. Unterwegs streifen wir die Ausläufer Pretorias, die Stadt der Jakaranda-Bäume, welche jetzt im südafrikanischen Frühling in voller Blüte stehen.

Jakaranda

Es sind knapp drei Autostunden bis in die malariafreie Waterberg-Region. Unser Ziel ist das private Entabeni-Wildreservat, offiziell Entabeni Safari Conservancy genannt. Von einem früheren Besuch hier ist mir vor allem die umwerfend schöne Landschaft in Erinnerung geblieben. Entabeni besteht aus zwei Ebenen, dem Upper Escarpment und dem Lower Escarpment. Beide Ebenen trennen ca. 800 Höhenmeter, verbunden durch eine fast schon abenteuerliche Piste, die nur mit einem geländegängigen Safarifahrzeug überwunden werden kann.

Die Zufahrt zu unserer Lodge führt einige Kilometer über eine Schotterpiste, die aber gut mit dem Mietwagen befahrbar ist. Schon kurz nach dem Gate in das Reservat können wir Giraffen, Strauße und Antilopen bestaunen, sogar Black Impalas, die recht selten sind. An unserer Lodge angekommen, begrüßen uns ein paar Springböcke und Affen. Entabeni bedeutet „Place Of The Mountain“, da ein Berg eindrucksvoll aus der wunderschönen Landschaft heraussticht.

Wir beziehen unser Zimmer und können auch gleich zum Mittagessen ins Restaurant gehen. Anschließend setzen wir uns mit einer Tasse Kaffee auf die Terrasse vor dem Restaurant und genießen die grandiose Aussicht auf einen kleinen See und den dahinter liegenden Entabeni Mountain. Eine Familie kleiner Affen, Vervet Monkeys, tanzen auf dem Geländer und dem Dach des Restaurants herum und spekulieren auf Überbleibsel der Kekse unserer Kinder. Füttern ist aber streng verboten.

Entabeni_BergAffen

Um 16 Uhr startet dann unsere erste Pirschfahrt im offenen Geländewagen in das Reservat. Zusammen mit einer dreiköpfigen Familie aus Johannesburg, die das verlängerte Wochenende ausnutzt, sowie unserem Ranger, der uns für den gesamten Aufenthalt zur Verfügung steht, geht es zuerst um den kleinen See herum und am Entabeni Mountain vorbei auf eine offene Grasebene. Dort sehen wir Zebras, Impalas, Gnus, einen Strauß und im Hintergrund ein paar Giraffen und ein Nashorn.

„Die Nashörner sehen wir später noch, jetzt gehen wir erstmal auf Löwenpirsch“, meint unser Ranger und wir machen uns auf den atemberaubenden Weg vom Upper zum Lower Escarpment. Die Abfahrt führt entlang einer Schlucht, die nur in der Regenzeit Wasser führt. Zwischen den mächtigen Bergketten links und rechts von uns bieten sich immer wieder spektakuläre Ausblicke in das Tal.

ImpalasSchlucht

Im Lower Escarpment angekommen, halten wir zunächst an einem kleinen Wasserloch und beobachten eine Hippo-Familie, die sich im seichten Wasser tummelt. Hippos verbringen fast den ganzen Tag im Wasser und kommen eigentlich nur in der Dunkelheit an Land, um zu grasen. Das Motorgeräusch unseres Safarifahrzeugs quittieren die Flusspferde mit argwöhnischem Grunzen.

Weiter geht es durch unterschiedliche Vegetationszonen wie zum Beispiel dichte Buschsavannen, offene Grasebenen und kleine Wäldchen. Die 800 Meter steil aufragende Bergkette des Upper Escarpments bildet im Licht des späten Nachmittags eine grandiose Kulisse. Plötzlich stoppt unser Ranger, er hat frische Löwenspuren im Sand entdeckt. Eine Löwin und ihre vier dreimonatigen Jungen bewegen sich zur Zeit abseits des Rudels.

Wir nehmen die Verfolgung auf, die großen und kleinen Tatzenabdrücke entlang des Wegs sind gut zu erkennen. Dann verschwinden die Spuren plötzlich im dichten Busch und wir fahren eine Runde um das Buschwerk herum, in der Hoffnung, die Löwin und ihre Kleinen von der anderen Seite zu entdecken. Doch stattdessen steht plötzlich ein mächtiger männlicher Löwe mitten auf der Piste vor uns. Wir haben zufällig das übrige Rudel gefunden. Neben dem großen Papa liegen noch zwei weitere jüngere Löwen, Bruder und Schwester, im Busch direkt neben unserem Weg.

LoewentatzenLoewe

Unser Ranger erzählt, dass das Rudel vor drei Tages das letzte mal gefressen hat und wir mit etwas Glück in den kommenden beiden Tagen die Löwen auf der Jagd erleben könnten. Das Rudel trottet langsam von dannen und wir fahren eine Weile hinterher. Allerdings macht die junge Löwin, die in der Regel die Jagd anführt, keine diesbezüglichen Anstalten.

Leider hat sich auch die Spur der Löwin mit ihren Jungen verloren, also machen wir uns auf in einen anderen Abschnitt des Reservats. Unterwegs halten wir im Licht der untergehenden Sonne für einen kurzen Sundowner. Es gibt Bier, Wein und Softdrinks sowie eine großartige Kulisse in für mich einem der schönsten Wildreservate Südafrikas.

Sundowner

Die Ranger der unterschiedlichen Lodges im Reservat kommunizieren per Funk über bestimmte Tierbeobachtungen miteinander. Ein anderer Ranger meldet die Sichtung einer Gepardin mit ihren Jungen. Unser Ranger ist ein Raubkatzenliebhaber, deshalb packen wir unseren Sundowner schnell zusammen und fahren los. Nach wenigen Minuten erreichen wir den Rand einer offenen Savanne und sehen etwa zehn Meter vom Weg entfernt die Gepardin mit ihren Kleinen im Gras spielen. Unser Ranger schaltet den Motor aus und wir genießen den Anblick.

Geparde

Etwa zehn Minuten später kommen weitere Safarifahrzeuge, die auch die Sichtung über Funk mitbekommen haben. Pro Sichtung dürfen sich maximal zwei Fahrzeuge den Tieren nähern, daher startet unser Guide den Motor und wir machen Platz für die nächsten Gäste. Mittlerweile ist es ziemlich dunkel geworden und unser Guide schaltet den Scheinwerfer an. Viele afrikanische Tiere sind nachtaktiv und kommen erst jetzt aus ihren Verstecken.

Auf dem Weg zurück zum Upper Escarpment sehen wir ein paar Schakale durch den Busch streifen. Leider treffen wir nicht auf einen Leoparden, was schon ein sehr großes Glück gewesen wäre, denn Leopardensichtungen sind die seltensten der Big Five. Auf den offenen Grasebenen haben sich die Antilopen, Gnus und Zebras zur Ruhe gebettet. Wir kommen noch einmal an ein paar blätterschmatzenden Giraffen vorbei. Unser Ranger erzählt uns, dass Giraffen mit gerade mal 20 Minuten Schlaf pro Tag auskommen.

Inzwischen ist es stockfinster und nur der Scheinwerfer unseres Fahrzeugs erzeugt noch etwas Licht. Vor einer Stunde waren es noch 30°C, jetzt wird es im Fahrtwind des offenen Geländewagens richtig kühl. Aber wir haben ja unsere Jacken dabei, der Ranger hat zusätzlich warme Decken im Fahrzeug.

Zurück an der Lodge gehen wir direkt ins Restaurant und teilen uns – wie hier üblich – den Tisch mit unseren Mitfahrern und dem Ranger. Plötzlich kommt ein weiterer Ranger an alle Tische und erzählt, dass ein paar Elefanten ganz in der Nähe der Lodge sind und alle Gäste nur zusammen mit ihrem jeweiligen Ranger die etwas abseits gelegenen Unterkunftschalets aufsuchen dürfen.

Um kurz nach 21 Uhr fallen wir todmüde ins Bett, unser erster Tag direkt nach Ankunft in Südafrika war lang und spannend. Wir bekommen nicht einmal mit, dass die Elefanten über Nacht einen ganzen Baum direkt vor unserem Nachbarchalet fällen. Die Spuren dieses nächtlichen Besuchs sehen wir erst am kommenden Morgen.

Um 5:30 Uhr geht der Wecker und es heisst aufstehen zur nächsten Pirschfahrt. Auf die Schnelle gibt es einen Kaffee und ein paar Rusks (ähnlich wie ein süßlicher Zwieback), um 6 Uhr startet unser Ranger den Motor. In der Morgendämmerung kann man in der Regel die besten Beobachtungen machen, bevor sich die Tiere in der Hitze des Tages ein schattiges Plätzchen suchen.

Auf der Grasebene unterhalb des Entabeni Mountains ist mächtig was los. Warzenschweine rennen durch die Gegend, Gnus und Zebras grasen friedlich in der Morgensonne, eine Herde Blessböcke schaut uns interessiert an. Ein paar hormongesteuerte Impalamännchen messen ihre Kräfte, ohne sich dabei ernsthaft zu verletzen. Wir entdecken auch wieder ein paar Giraffen beim Fressen.

GiraffeZebra

Unser Raubkatzen verliebter Ranger wählt erneut die steile Abfahrt hinunter in das Lower Escarpment. Am frühen Morgen ist es noch recht kühl, sodass wir dick eingepackt in unsere Jacken und Decken auf dem Fahrzeug sitzen. Auf der Fahrt die Schlucht hinunter merken wir, wie es mit jedem Meter, den wir tiefer kommen, immer wärmer wird. Unten angekommen begrüßt uns die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und wir können Jacken und Decken getrost beiseite legen.

Die Hippos sind heute morgen deutlich aktiver als gestern Abend. Die Tiere schwimmen nicht, sondern gehen durch das Wasser und verbringen die meiste Zeit stehend an einer seichten Stelle, an der Sie bei Bedarf auch komplett untertauchen können. Jetzt ist aber richtig was los in der Herde, auch hier scheinen die Hormone eine Rolle zu spielen.

Hippos

Unser Ranger schaltet den Motor aus und wir genießen die Szene. Jetzt ist es auch Zeit für etwas Vogelkunde, denn das Wasserloch wird nicht nur von den Hippos bevölkert. Nach etwa zehn Minuten geht es weiter, unser Ranger will uns ja unbedingt die Löwenmama mit ihren Jungen zeigen. Tatsächlich entdecken wir auch wieder ihre Spuren, mehr leider nicht. Unser Ranger erklärt uns, dass die Löwin ihre Babys in diesem Alter noch besonders gut versteckt, denn so klein sind sie noch eine leichte Beute für Leoparden oder Schakale.

Kurz vor einem weiteren Wasserloch liegt plötzlich ein kapitales Krokodil völlig regungslos direkt neben der Piste. Ein Aussteigen ist jetzt streng verboten, denn Krokodile sind Meister im Ausspähen ihrer Beute. Ein Blick, und die Riesenechse weiss genau, wie groß, schwer und lohnend eine mögliches Frühstück ist. Im Geländewagen, den die Tiere nur als ganzes Objekt und daher nicht als beutetechnisch lohnenswert ansehen, sind wir aber gut geschützt.

Krokodil

Ein paar Minuten später entdeckt unser Ranger wieder frische Spuren der Löwenmama und ihren drei Jungen auf der sandigen Piste, denen wir ein paar hundert Meter folgen. Doch dann verlieren sich die Spuren erneut im Busch. Wir fahren weiter durch das Lower Escarpment und sehen immer wieder Zebras, Gnus, Impalas sowie eine ganze Pavianfamilie. Plötzlich entdecken wir wieder die drei älteren Löwen von gestern Abend, die ein paar Meter von der Piste entfernt neben einem kleinen Baum platzgenommen haben und sich wenig aktionsbereit zeigen.

Unser Guide beschließt wieder ins Upper Escarpment zu fahren und uns noch ein paar Büffel oder Nashörner zu zeigen, bevor es zurück zur Lodge geht, wo das Frühstück auf uns wartet. Tatsächlich kommen wir an einer kleinen Herde von Büffeln vorbei, die gelangweilt unter ein paar Büschen im Gras sitzt. Büffel sind für mich neben Gnus die unspannendsten Tiere, von daher kann es ruhig schnell weitergehen.

Nach dem Frühstück steht der Tag zur freien Verfügung und wir nutzen das schöne Wetter am Pool. Nachmittags gehen runter zu einem Aussichtsdeck am See mit tollem Blick auf den Entabeni-Berg. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees ziehen drei Elefanten vorbei, wahrscheinlich die Kameraden, die letzte Nacht die Lodge besucht haben. Wir genießen die Ruhe und den Ausblick.

Entabeni_See

Um 16 Uhr startet unsere nächste Pirschfahrt. Die Familie aus Johannesburg ist inzwischen abgereist und wir teilen uns das Fahrzeug nun mit zwei französischen Honeymoonern. Ich sage unserem Ranger, dass ich gerne die Elefanten aus der Nähe sehen möchte, meine absoluten Lieblingstiere. Er verspricht mir die Elefantenherde im Lower Escarpment zu finden, natürlich gleich nachdem er uns die Löwin mit ihren Jungen gezeigt hat. Also geht die Fahrt wieder die Schlucht hinunter, was aber aufgrund der spektakulären Landschaft auch beim dritten Mal nicht langweilig wird.

Unten angekommen nimmt unser Ranger per Funk Kontakt mit anderen Rangern auf, ob die Löwin gesichtet wurde. Was bislang aber nicht der Fall ist, also gehen wir auf die Suche nach den Elefanten. Etwa 20 Minuten später entdecken wir die Herde an einem kleinen See. Das Nachmittagslicht taucht die Landschaft mit den dahinter liegenden Bergen in einmalige Farben. Die Ellis sind für mich die eindrucksvollsten Vertreter der Big Five. Die sanften Riesen bewegen sich komplett lautlos durch den Busch, trotz Ihres Gewichts. Lediglich das Abbrechen oder Durchbeissen größerer Äste zerreisst ab und zu die wundervolle und friedliche Stille dieser Szenerie.

Elefanten

Ich bin mit dieser Pirschfahrt vollauf zufrieden, im Gegensatz zu unserem Ranger, der noch keine Raubkatze gefunden hat. Also fahren wir in einen sehr abgelegenen Teil des Reservats, wo wir wieder einen wunderschönen Sundowner einlegen, aber leider keine Katzen mehr finden. Auf der Rückfahrt ist es bereits dunkel, als ein anderer Ranger über Funk um Hilfe ersucht. Sein Wagen springt nicht mehr an. Nach wenigen Minuten haben wir die Stelle gefunden, wo der andere Ranger mit seinen Gästen liegen geblieben ist. Wir geben Starthilfe und alles ist wieder gut.

Bevor wir wieder die steile Schlucht hinauffahren, kommen wir erneut an dem Wasserloch mit den Hippos vorbei. Plötzlich macht unser Ranger eine Vollbremsung, denn ein junges Flusspferd rennt mit irrem Tempo direkt vor uns über die Piste ins sichere Wasser. Wir haben es wohl beim Grasen aufgeschreckt. Diese Situation macht deutlich, warum ausgerechnet die Hippos in Afrika mehr Menschen töten, als alle Big Five zusammen. Wenn man zwischen Wasser und Hippo gerät, wird man einfach umgerannt. Ein Fußgänger hätte selbst gegen das kleine Flusspferd keine Chance gehabt.

Während der Rückfahrt zur Lodge suchen wir wieder mit dem Scheinwerfer nach einem Leoparden, leider auch wieder vergeblich. Die Katzen haben heute Abend einfach keine Lust. Insgesamt ist es deutlich milder als gestern, sodass wir ohne Decken auskommen.

Das Abendessen findet heute Abend nicht im Restaurant statt, sondern aufgrund des guten Wetters draußen am „Boma“, dem traditionellen Essensplatz am Lagerfeuer. So stellt man sich Afrika vor: Lagerfeuer, Sternenhimmel, Essen vom Grill und ein gutes Glas Rotwein. Anschließend geben die Angestellten der Lodge noch eine kurze Tanz- und Gesangseinlage zum Besten. Nach dem Essen begleitet uns unser Ranger wieder zu unserem Chalet und schlägt uns vor, morgen eine halbe Stunde früher zu unserer letzten Pirschfahrt aufzubrechen. Dann hätten wir mehr Zeit, die Löwin mit ihren Jungen zu suchen. Natürlich.

Boma_Dinner_1 Boma_Dinner_2

Der Wecker geht also schon um 5 Uhr, und 30 Minuten später sitzen wir wieder im Geländewagen, bereit für unsere letzte Pirschfahrt. Welche natürlich wieder hinunter ins Lower Escarpment führt. Um es vorweg zu nehmen: Wir haben die Löwin und ihre Jungen nicht mehr gefunden. Trotzdem kommen wir noch einmal voll auf unsere Kosten, wir und unser Ranger.

Wir treffen zweimal auf Breitmaulnashörner, zuerst auf einen einsamen Bullen, dann etwas später auf eine Nashornmama mit Ihrem Jungen. Breitmaulnashörner heißen auf englisch „White Rhinos“, wobei „White“ ein Übersetzungsfehler ist, es kommt vom gleichlautenden Wort „Wide“ für „Breit“. Sinnigerweise hat man dann die etwas kleineren Spitzmaulnashörner zur Unterscheidung „Black Rhinos“ genannt. Beide Arten sind aber farblich gleich.

Nashoerner

Nashörner sind akut vom Aussterben bedroht. Wenn die völlig unsinnige Wilderei nicht gestoppt wird, wird es in weniger als 20 Jahren diese wundervollen Tiere nur noch in Zoos geben – wenn überhaupt. Auf dem asiatischen Schwarzmarkt kostet ein Gramm Horn mittlerweile mehr als ein Gramm Gold, dabei besteht das Horn lediglich aus Kreatin mit nachgewiesen nicht vorhandener medizinischer Bedeutung.

Plötzlich wird unser Ranger nervös. Ein anderer Ranger hat über Funk die Sichtung zweier Gepardenmännchen mitgeteilt. Diese beiden Einzelgänger wurden seit Wochen nicht mehr gesehen. Wir machen uns sofort auf den Weg in Richtung der Stelle, die uns über Funk durchgegeben wurde. Dann entdecken wir die beiden eleganten Raubkatzen auf der Piste vor uns und kurz darauf im dichten Gras verschwinden. Geparden sind wie Leoparden Meister der Tarnung. Wir fahren so nah heran, wie wir können, trotzdem bleiben die beiden Katzen verborgen, obwohl sie weniger als 50m von uns entfernt sind. Das Suchen, das Finden oder auch das Nicht-Finden – das alles macht eine Safari so spannend.

Auf der Fahrt zurück zur Lodge und zu unserem letzten Frühstück im Entabeni-Wildreservat stoßen wir auf eine ganze Kohorte von Dung Beetles, Mistkäfern. Mit etwas Glück sieht man sonst mal einen oder zwei, hier tummeln sich an die hundert um einem Haufen Elefantendung herum. Nach dem Frühstück checken wir aus und bedanken uns bei unserem Ranger mit einem angemessenen Trinkgeld.

Dung_Beetles

Gegen 10 Uhr startet unsere Fahrt zurück nach Johannesburg, von wo aus wir nachmittags in Richtung George fliegen. Wir übernehmen unseren neuen Mietwagen und fahren in Richtung Garden Route. Die Strecke führt über Wilderness und Sedgefield entlang wunderschöner Küstenabschnitte, dichter Wälder und großer Seenlandschaften bis nach Knysna, der zweiten Station unserer Südafrikareise.

Im Juni dieses Jahren gab es bei Knysna schlimme Waldbrände, selbst einige Vororte des kleinen Städtchens wurden nicht verschont. Besonders schlimm haben die Feuer im Goukamma Nature Reserve gewütet und eine kahle, fast mondlandschaftsartige Umgebung hinterlassen. Ansonsten sind die Spuren weit weniger schlimm, als ich befürchtet hatte. Die allermeisten Touristenattraktionen sind nicht betroffen und viele der abgebrannten oder beschädigten Häuser werden schon wieder aufgebaut. Das Leben in Knysna geht seinen gewohnten Gang.

Wir erreichen unser Gästehaus recht spät und sind froh, direkt vor Ort zu Abend essen zu können. Während die Kinder schon mal in Richtung Bett tigern, lassen wir den Tag mit einem Glas Rotwein am Kamin ausklingen. Für die kommenden Tage ist Regen vorausgesagt, den das von einer ziemlichen Dürre heimgesuchte Western Cape sicherlich gut gebrauchen kann. Aber während unseren Urlaubs? Es ist halt noch Frühling in Südafrika und damit noch kein so stabiles Wetter wie von Dezember bis April.

Um so überraschter sind wir, als uns der nächste Morgen mit strahlendem Sonnenschein begrüsst. Nach dem Frühstück starten wir in Richtung Sedgefield, wo wir mittags eine Runde Klettern im Acrobranch Kletterpark gebucht haben. Da wir recht früh dran sind, machen wir noch einen Abstecher an den einmalig schönen Strand. Selbstverständlich sammeln unsere Kinder erstmal jede einzelne Muschel, die sie finden können. Wir müssen dann wohl später wieder aussortieren.

Sedgefield_Beach

Um halb eins sind wir am Kletterpark, gerade rechtzeitig zur Sicherheitseinweisung. Ich gehe mit unserer Kleinen auf den Kinderparcours, die Große kann mit Mama schon auf den Erwachsenenparcours. Während wir klettern, ändert sich das Wetter mehr oder weniger schlagartig von sonnig und warm hin zu kühl, bewölkt und windig. Und wir haben alle Jacken und Pullover im Auto gelassen.

Der Acrobranch Kletterpark liegt im Timberlake Village, einem kleinen touristischen Dörfchen bestehend aus Restaurants, Cafés und Boutiquen. Es gibt sogar eine Mikrobrauerei und eine Kaffeerösterei. Für Kinder gibt es einen Spielplatz. Wir steuern nach dem Klettern eines der Restaurants zum Aufwärmen an und genießen unser Lunch. Als wir fertig sind, fängt es tatsächlich an zu regnen – und wird für die nächsten 30 Stunden auch nicht wieder aufhören. Wir fahren zurück nach Knysna und verbringen den restlichen Tag in unserem Gästehaus mit Lesen und Spielen.

Klettern

Der nächste Tag ist bei 12°C komplett verregnet. Die Einheimischen freut’s, der Regen wird dringend gebraucht. Am heutigen Tag kann man Touristen und Locals alleine schon am Gesichtsausdruck unterscheiden. Wir fahren nach George in die Garden Route Shopping Mall, dem größten Einkaufszentrum der Umgebung. So kann man wenigstens einen halben Tag trocken verbringen. Mittags fahren wir nach Wilderness in ein kleines Restaurant direkt am Strand, der Meerblick wäre bei Sonnenschein sicherlich deutlich schöner gewesen.

Den Nachmittag verbummeln wir durch die Geschäfte in Knysnas Zentrum und an der kleinen Waterfront. An diesem Abend wissen wir das Feuer in der Kaminlounge unseres Gästehauses sehr zu schätzen.

Der kommende Tag ist zwar immer noch kühl, aber zumindest wieder trocken. Wir kaufen Zutaten für ein gelungenes Picknick und steuern die dichten Wälder oberhalb von Rheedendal an. Die Goudveld-Section des Garden Route Nationalparks bietet tolle Picknickplätze, Wanderwege und Aussichten. Zum Glück ist das Feuer vom Juni nicht bis hier oben hingekommen.

Der Eintritt in den Nationalpark kostet ein paar Rand, lohnt sich aber. Wir erreichen den ersten Picknickplatz, wollen aber erstmal ein wenig wandern. Nach ein paar Metern stehen wir vor einem der sogenannten „Big Trees“. An der Garden Route kann man einige der riesigen Yellowwood-Bäumen besichtigen. Dieser hier, der Dalene Matthee Big Tree, ist 880 Jahre alt und über 40m hoch. Ziemlich beeindruckend. Der weitere Wanderweg durch den Wald wird aber von unseren Kids als zu wenig abenteuerlich gewertet, also fahren wir weiter zum nächsten Picknickplatz, der idyllisch auf einer Lichtung am Jubilee Creek liegt. Nachdem wir ausgiebig gepicknickt haben, betreten wir den Wanderweg entlang des kleinen Flusses, der uns zu einem kleinen Wasserfall und Rock Pool bringen soll.

Big_Tree Wandern

Nach einer Weile kreuzt der Wanderweg den Fluss. Durch den vielen Regen des letzten Tages führt dieser aber deutlich mehr Wasser als sonst, denn die Steine, die eigentlich als Überquerungshilfe in das Flussbett gelegt wurden, sind komplett überspült. Da haben wir also das gewünschte Abenteuer. Mit Schuhen haben wir keine Chance, also Schuhe und Strümpfe ausziehen, Hose hochkrempeln und barfuß durch den Fluss waten. Da wir kein Handtuch mithaben, wird kurzerhand mein Halstuch zum Abtrocknen auserkoren.

Nach etwa fünf Minuten kreuzt der Wanderweg den Fluss erneut. Aber zum Aufgeben sind wir schon zu weit gelaufen. Also gehen wir von nun an trotz des kühlen Wetters einfach barfuß bis zum kleinen Wasserfall weiter. Wir wollten ja Abenteuer.

Unterwegs kommen wir an alten Minenschächten aus der Goldgräberzeit vorbei. In den späten Jahren des 19. Jahrhunderts wurde hier oberhalb von Rheenendal Gold gefunden. Innerhalb kürzester Zeit entstand ein ganzer Ort mit über 400 Einwohnern mitten im Wald, welcher aber auch nach wenigen Jahren wieder komplett aufgegeben wurde, als bei Johannesburg wesentlich größere Goldvorkommen entdeckt wurden. Heute zeugen lediglich noch ein paar der Minenschächte von dieser Zeit.

Zurück an unserem Auto fahren wir noch höher in die Berge. Unser Ziel ist das kleine Café Mother Hollys Tea Garden mit angeschlossenem Museum. Leider kommen wir recht spät, Café und Museum sind schon geschlossen. Dafür entschädigt die grandiose Aussicht im Licht des späten Nachmittags über die endlosen Wälder um so mehr. Von hier oben brauchen wir fast eine dreiviertel Stunde zurück bis nach Knysna, diese Fahrt hat sich aber gelohnt.

Waelder

Am nächsten Tag verlassen wir die Garden Route in Richtung der Kleinen Karoo Halbwüste. Irgendwie ging die Zeit hier viel zu schnell vorbei. Da heute Samstag ist, besuchen wir auf der Fahrt den Wild Oats Farmers Market in Sedgefield, auf dem viele der lokalen Farmer und Künstler Ihre Waren anbieten. Es ist sonnig und warm – nichts erinnert mehr an 12°C und Dauerregen. Wir essen frische Erdbeeren und Blaubeeren, selbstgemachtes Granadilla-Eis und leckere Pancakes. Ein paar Mitbringel für die Lieben daheim finden wir auch noch.

Farmers_Market

Die Fahrt geht entlang der Küste bis Wilderness und weiter über die mächtigen Outeniqua Mountains, die die grüne Küstenregion und die dahinter liegende trockene Halbwüste voneinander trennt. Je weiter wir in Richtung unserem nächsten Ziel Oudtshoorn kommen, desto heißer wird es. Als wir am Nachmittag unsere Lodge auf einer Straußenfarm erreichen, zeigt das Thermometer bereits über 30°C an. Wir beschließen, den restlichen Tag am Pool zu verbringen. Abends erwartet uns ein leckeres Drei-Gänge-Menü, natürlich mit Straußenfilet zum Hauptgang. Dazu gibt eine sensationelle Blaubeer-Rotwein-Reduktion, welche von unseren Kids umgehend als die beste Sauce der Welt auserkoren wird.

Kleine_Karoo Wilderness_Beach

Am kommenden Morgen starten wir zu Oudshoorns Highlight und kommen zum ersten Mal während unserer Reise mit so etwas wie „Massentourismus“ in Berührung. Unser Ziel ist die Tropfsteinhöhle Cango Caves, welche etwa 30 Minuten außerhalb der Stadt auf halbem Weg zum Prince Albert Pass liegt. Das Höhlensystem ist eines der eindrucksvollsten der Welt und kann auf einer einfach zu bewältigenden Standardtour oder einer abenteuerlichen Klettertour erkundet werden. Letztere führt aber auch durch sehr enge Spalten und schon so mancher Besucher ist dort stecken geblieben.

Egal welche Tour man machen möchte, es ist dringend angeraten im voraus zu buchen. Unsere Standardtour um 11 Uhr war ausgebucht, ebenso wie die darauffolgende Tour um 12 Uhr. Gäste ohne Vorausbuchung mussten also zwei Stunden warten oder die abenteuerliche Klettertour nehmen.

Trotz der großen Gruppe von bestimmt 50 Personen, die an unserer Tour teilnehmen, ist die Führung durch die verschiedenen Kammern wirklich beeindruckend. Unsere farbige Führerin spricht perfekt englisch, afrikaans und deutsch. Endlich muss ich mal nicht für unsere Kinder simultan übersetzen. Ein entsprechendes Trinkgeld ist ihr sicher.

Cango_Caves

In den Höhlen ist es konstant etwa 20°C warm. Als wir gegen 12 Uhr wieder auf dem Parkplatz gehen, kommt der große Hammer in Form von Hitze von oben. Unser Autothermometer zeigt 34°C an. Eigentlich wollten wir noch zu einem nahe gelegenen Wasserfall wandern. Dieses Vorhaben geben wir aber aufgrund der Temperatur auf und beschließen den Nachmittag wieder am Pool zu verbringen. Es ist ja Urlaub.

Aufgrund des schönen Wetters findet das Abendessen heute nicht im Restaurant unserer Lodge, sondern draußen auf der Wiese davor statt. Nach einem wirklich spektakulären Karoo-Sonnenuntergang beleuchten nur Öllampen die Tische, die fein eingedeckt worden sind. Die ganze Stimmung ist noch romantischer als das Boma-Dinner im Entabeni. Natürlich gibt es auch am zweiten Abend für mich das Straußenfilet, der Rest meiner Familie wählt heute Pasta.

Karoo_Dinner Karoo_Sonnenuntergang

Nach dem Essen ist dieser Abend aber noch nicht vorbei. Die Kleine Karoo ist berühmt für ihre sternenklaren Nächte. „Stargazing“ steht auf dem Programm, Sternbeobachtung. Ein Hobbyastronom mit aber recht professionellem Equipment erklärt uns die Sternbilder der südlichen Hemisphäre und zeigt uns mit seinem Teleskop, was der Nachthimmel über Oudtshoorn so alles zu bieten hat. Wir können sogar den Saturn samt seiner Ringe bestaunen.

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich die Erdmännchen-Tour machen. Leider ist diese für Kinder unter 12 Jahren nicht buchbar, da die Erdmännchen mitunter mehrere Stunden auf sich warten lassen und nur bei totaler Stille aus Ihrem Bau kommen. Die Kombination aus „lange Warten“ und „totaler Stille“ ist zugegeben mit Kindern manchmal schwierig. Also machen wir die familienfreundliche Straußenfarm-Tour. Für einige der weiteren Teilnehmer scheint dies das ganz große Erlebnis zu sein. Kameraequipment für mehrere tausend Euro wird ausgepackt. Wir finden die Tour so „naja“, kann man machen. Spannend sind vielmehr die Webervögel, die in einem Baum auf der Straußenfarm ihre Nester gebaut haben und jetzt fleißig dabei sind, ihren Nachwuchs zu füttern.

Strauss Webervoegel

Schon vor elf Uhr zeigt unser Autothermometer 30°C an, wieder ein heißer Tag in der Kleinen Karoo. Unsere Fahrt geht weiter über die berühmte Route 62. Die Namensverwandtschaft mit der amerikanischen Route 66 ist nicht ganz zufällig. Die Strecke durch die Halbwüste versprüht schon so etwas wie Wildwest-Atmosphäre. Es geht vorbei an endlosen Rinder- und Schaffarmen, über atemberaubende Passstraßen, entlang endloser Weite und durch verträumte kleine Orte. Auf halber Strecke zu unserem heutigen Ziel Hermanus erreichen wir „Ronnies Sex Shop“, den wohl berühmtesten Pub des Landes, für ein leichtes Lunch.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass nach dem Verlassen der Kleinen Karoo in Richtung Ozean die Außentemperatur etwas moderater werden würde. Doch bei Ankunft in Hermanus zeigt das Thermometer weiterhin 36°C an, ziemlich ungewöhnlich für die Küstenregion am Kap. Nach dem Check-In führt uns ein kleiner Weg direkt vom Garten unseres Gästehauses runter zum wunderschönen Grotto Beach. Hermanus ist ganz grob ausgedrückt zweigeteilt. Der Bereich vom New Harbour bis zur Ortsmitte liegt an einer Steilküste mit dem berühmten Cliff Path. Von hier aus hat man grandiose Ausblicke auf das Meer, und von Juni bis November die besten Chancen Wale von Land aus zu beobachten. Der weitere Verlauf der Walker Bay wird von einem scheinbar endlosen weißen Sandstrand geprägt. Der Grotto Beach ist Blue Flag prämiert als einer der besten und saubersten Strände Südafrikas.

Grotto_Beach

Wir spazieren am Strand entlang bis zu einer kleinen Lagune, die aber durch den Strand vom Meer getrennt ist. Und hier machen wir von einer kleinen Düne aus unsere erste Walbeobachtung. Eine Walmutter mit ihrem Kalb schwimmt in einiger Entfernung, aber gut sichtbar, langsam und gemütlich durch das Meer. Das ist fast noch imposanter als die Elefanten im Entabeni Wildreservat. Im Gegensatz zu den Landtieren, die zumindest in Südafrika aus ihren Wildschutzgebieten nicht herauskommen, sind die Wale tatsächlich „Tiere in freier Wildbahn“.

Aufgrund des heißen Wetters verbringen wir die letzten Stunden des Nachmittags am Pool und auf der Terrasse unseres Zimmers, von wo wir die nächste Walbeobachtung machen können. Wieder schwimmt eine Mutter mit ihrem Kalb vorbei (vielleicht die selben beiden, die wir vorher schon gesehen haben), und in etwas weiterer Entfernung taucht ein weiterer Wal aus dem Wasser auf.

Hermanus_Terrasse

Gegen 18 Uhr machen wir uns auf in den Ortskern. Wir haben einen Tisch in einem Restaurant reserviert und spazieren vorher noch einmal den Cliff Path entlang. Leider haben sich die Wale für heute wohl auf das offene Meer verzogen, sodass wir nur ein paar Seelöwen zu Gesicht bekommen.

Am nächsten Morgen müssen wir relativ früh aufstehen, denn eine Walbeobachtungs-Bootsfahrt steht auf dem Programm. Am New Harbour ist ganz schön was los. Gleich vier Anbieter für Waltouren gibt es in Hermanus, und alle sind heute ausgebucht. Gut, dass wir unseren Trip im voraus gebucht haben. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung gehen wir auf unser zweistöckiges Boot, was im Gegensatz zu denen der Konkurrenz einen recht hochwertigen Eindruck macht. Obwohl die Abfahrt ausgebucht ist, haben wir genug Platz, uns auf dem Boot so zu bewegen, dass wir in alle Richtungen gut sehen und fotografieren können.

Schon bei der Ausfahrt aus dem kleinen Hafen sehen wir Seelöwen im Wasser, dann später ein paar Pinguine. Unser Skipper steuert in Richtung Grotto Beach, dort wo wir gestern auch unsere ersten Wale gesehen haben. Die Sonne scheint und das Meer ist spiegelglatt. Der Skipper meint, wir hätten wirklich Glück mit dem Wetter, denn vergangene Woche hätten aufgrund des starken Windes einige Touren abgesagt werden müssen.

Pinguine_Im_Wasser

Nach etwa zehn Minuten sehen wir die ersten Wale, Southern Right Whales, wieder eine Mutter mit ihrem Kalb. Das Boot darf sich bis auf 50m den Tieren nähern, dann muss der Motor abgeschaltet werden. Die Wale können dann von sich auf zum Boot schwimmen, wenn sie denn wollen. Diese beiden halten sich aber eher bedeckt, nur ab und zu streckt das Kleine seine Schwanzflosse in die Luft. Southern Right Wales, südliche Glattwale, sind die größten Meeressäuger, die die Küste Südafrikas im Winter und Frühling aufsuchen. Weitere Besucher sind die Humpback Whales und die deutlich kleineren Bryde’s Whales, letztere können dafür sogar ganzjährig bestaunt werden.

Der Skipper startet wieder den Motor und wir fahren weiter in Richtung des gegenüberliegenden Ufers der Walker Bay. Der endlose weiße Sandstrand und die mächtigen Berge im Hintergrund bilden eine grandiose Kulisse. Wieder entdecken wir eine Walmutter mit ihrem Kalb. Während Mama recht entspannt durch das Wasser gleitet, ist Baby Wal deutlich aktiver. Immer wieder trommelt es mit der Schwanzflosse auf das Wasser. Ein weiterer einzelner Wal schwimmt in etwa 10 Metern Entfernung vor unserem Boot vorbei, wirklich beeindruckend.

Wal_1 Wale_2

Unser Skipper hofft die ganze Zeit, dass das aktive Walbaby auch mal springt, aber für dieses exklusive Fotomotiv müssen wir uns noch etwas gedulden. In weiterer Entfernung springt dafür etwas kleineres graues aus dem Wasser. Ein Wal war das nicht, unser Skipper ist sich nicht sicher, ob es ein Hai oder ein Delfin war.

Wir fahren weiter an der Küste entlang und sehen noch einige weitere Walmamas mit ihren Kälbern. Als wir eigentlich schon kurz vor der Rückfahrt sind, erbarmt sich eines der Walbabys dann doch noch und sorgt mit mehreren Sprüngen kurz hintereinander für laute „Ohs“ und „Ahs“ an Bord. Auf der Rückfahrt zum Hafen entdecken wir wieder Seelöwen und Pinguine, die entspannt im Wasser chillen. Diese Fahrt hat sich also absolut gelohnt, im Nachhinein betrachtet das Highlight unserer Südafrikareise.

Wal_Springt

Zurück im Auto geht die Fahrt in das etwa 20 Minuten entfernte Hemel En Aarde Valley, dem wohl zur Zeit aufstrebensten Weinanbaugebiet Südafrikas. Wir haben eine Reservierung auf dem Creation Weingut zum Wine Pairing Lunch, einem Mehrgänge-Menü mit korrespondierenden Weinen. Für die Kids gibt es korrespondierende Fruchtsäfte, eine nette Idee. Die Weissweine der Coastal Region gehören mittlerweile zu den besten des Landes, aber auch den leichteren Rotweinsorten tut das etwas kühlere Küstenklima gut. Leider kann ich als Fahrer an jedem Wein nur kurz nippen, nächstes Mal müssen wir uns einen Fahrer oder Transfer organisieren.

Creation_Weingut_1 Creation_Weingut_2

Den Nachmittag verbringen wir wieder am Pool und auf unserer Terrasse. Und wieder können wir Wale direkt von unserem Zimmer aus beobachten. Hermanus bietet wirklich alles auf, was geht. Abends haben wir einen Tisch im Fisherman’s Cottage reserviert, dem zu Zeit angesagtesten Restaurant des Ortes. Die rustikale Fischerhütte sollte man unbedingt im voraus buchen, die Seafood-Gerichte gehören zu den frischesten, die man bekommen hier kann.

Während wir essen, zieht draussen wir aus heiterem Himmel ein mächtiges Gewitter auf, wohl der Tribut der letzten beiden ungewöhnlich heißen Tage an der Küste. Am nächsten Tag scheint aber zum Glück wieder die Sonne und die Temperaturen sind mit um die 25°C schon deutlich typischer für Jahreszeit und Region.

Wir verlassen Hermanus entlang der Küste auf dem wunderschönen Clarence Drive in Richtung Kapstadt, dem Endpunkt unserer Reise. Im Gegensatz zur trockenen Kleinen Karoo wartet das Kap hier im Frühling mit seiner typischen Fynbos-Vegetation mit einer grünen und blühenden Landschaft auf.

Wir stoppen in Bettys Bay und besuchen die Pinguinkolonie am Stony Point. Die eher schroffen Felsen sind vielleicht nicht ganz so fotogen wie der Boulders Beach bei Simons Town mit seiner großen und weitaus bekannteren Kolonie afrikanischer Pinguine. Dafür gibt es hier aber auch nur einen Bruchteil an Besuchern, mit denen man sich die kleinen süßen Frackträger teilen muss. Wir entdecken ebenfalls ein paar niedliche Rock Dassies, auf deutsch Klippschliefer, die aussehen wie eine Mischung aus Kaninchen und Murmeltieren, genetisch aber mit Elefanten und Seekühen verwandt sind.

Bettys_Bay_Beach Bettys_Bay_Pinguine

Anschließend machen wir einen kurzen Abstecher an den schneeweissen Strand von Bettys Bay, ein paar Fotos mit Karibikfeeling inklusive, bevor unsere Fahrt entlang der Küste weitergeht bis in die Mother City. Kapstadt ist eigentlich meine absolute Lieblingsstadt, für mich die schönste Stadt der Welt. Aber nach soviel Natur und Einsamkeit bin ich mir kurz nicht sicher, ob ich für das Big City Life jetzt wirklich bereit bin. Nachdem wir in unserem Gästehaus im viktorianisch geprägten Stadtteil Tamboerskloof eingecheckt haben und einen Nachmittagsspaziergang entlang der berühmten Kloof Street unternehmen, sind meine Zweifel aber sofort verflogen. Kapstadt packt mich immer wieder. Da der Abend warm und windstill ist, beenden wir den Tag mit einem Sundowner unterhalb des Tafelbergs mit Blick auf die Twelve Apostels und Camps Bay.

Sundowner_Camps_Bay

Der nächste Tag führt uns zunächst mal in die Innenstadt. Meine Frau sucht eine ganz bestimmte Boutique an der Bree Street, die aber leider mittlerweile geschlossen hat. Wir spazieren noch weiter durch die wuselige Innenstadt, bevor wir zur noch wuseligeren V&A Waterfront fahren. Wir haben Karten für Kapstadts neues kulturelles Highlight gekauft, welches erst vor wenigen Wochen in einem komplett restaurierten Getreidesilo am Hafen eröffnet hat. Das Zeitz MOCAA, das erste Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst, ist alleine schon architektonisch ein echter Hingucker. Auch die Ausstellung ist absolut bemerkenswert, selbst für die Kids. Gemälde, Skulpturen, Videoinstallationen, Kostüme und vieles mehr von afrikanischen Künstlern sind zu sehen, sodass wir hier locker und ohne jede Langeweile drei Stunden verweilen.

MOCAA_1 MOCAA_2

Leider hat das Wetter gedreht und es beginnt zu regnen. Somit verbringen wir den restlichen Tag an der Waterfront mit Shoppen. Da das Familienzimmer in unserem Gästehaus eine kleine Kochnische hat, kaufen wir alles für das Abendessen ein und bleiben einfach mal „zu Hause“. Nachts zieht ein bemerkenswertes Gewitter über die Stadt. Fast im Sekundentakt schlagen die Blitze auf dem Tafelberg ein, was für ein grandioses Schauspiel der Natur.

Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne von einem wolkenlosen Himmel, aber es ist deutlich kühler und windiger geworden. Hauptsache, es regnet nicht mehr, denn heute steht für die Mädels ein Ausritt am einmaligen Strand von Noordhoek Beach auf dem Programm. Bis dahin haben wir aber noch etwas Zeit und fahren in den von Weinbergen und grünen Alleen geprägten Vorort Constantia. Hier befinden sich die ältesten Weingüter am Kap, die meisten davon im klassischen kapholländischen Baustil.

Mittags erreichen wir den verträumten Ort Noordhoek. Der schneeweisse Strand ist mehr als sechs Kilometer lang und über hundert Meter breit, mit der Bergkette im Hintergrund eine spektakuläre Kulisse für ausgedehnte Spaziergänge und Ausritte. Wir geben die Mädels am Reithof ab und gehen durch die Dünen bis zum Meer. Der Wind pustet heute ganz ordentlich, sodass trotz strahlendem Sonnenschein eine dicke Jacke Pflicht ist.

Noordhoek_1 Noordhoek_2

Der Ausritt dauert etwa zwei Stunden und anschließend sind die Kids selig. Wir haben aufgrund der tollen Kulisse und perfekten Lichtverhältnisse ein paar einmalige Fotos geschossen. Kein Wunder, dass der Strand immer wieder auch für professionelle Fotoshootings und Filmaufnahmen genutzt wird.

Der Rückweg nach Kapstadt führt uns über den Chapmans Peak Drive, eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Wir haben Glück, dass die Straße geöffnet ist. Nach Stürmen und schweren Gewittern sind mehrtägige Sperrungen nicht selten, da so einiges an Geröll von den Bergen herunter kommen kann. Wir stoppen an einem Aussichtspunkt. Von hier oben lässt sich eigentlich erst die ganze Dimension des Noordhoek Beaches erkennen.

Auf dem Weg stoppen wir in der kleinen Hafenstadt Hout Bay. Heute ist Freitag und damit Bay Harbour Market. Märkte gehören am Kap zum Lifestyle dazu. Neben frischem Obst und Gemüse gibt es viele Stände, die kleine Köstlichkeiten zubereiten, selbstverständlich auch Wein, Sekt und Bier von lokalen Produzenten. Bekleidungs- und Kunstverkäufer jenseits des üblichen Touristennippes runden das Angebot ab. Meist gibt es auch Livemusik, heute spielt eine Kapstädter Jazzkapelle. Hier auf dem Bay Harbour Market sind glücklicherweise die Touristen noch in der Unterzahl. Als wir den Markt verlassen, ist es bereits dunkel und wir fahren zurück nach Kapstadt in unser Gästehaus.

Hout_Bay

Der nächste Tag ist leider schon unser letzter. Zum Glück fliegen wir erst abends ab und haben somit noch viel Zeit. Unser Gepäck können wir netterweise im Gästehaus unterstellen und später abholen. Es ist wieder ein sonniger Tag und der Wind hat nachgelassen. Bei etwa 25°C können wir noch ein letztes Mal Wärme tanken, bevor wir in den heimischen Herbst zurückkehren müssen.

Samstags ist der Markttag schlechthin in Kapstadt. Der größte und bekannteste Markt ist der Neighbourgoods Market an der Old Biskuit Mill in Woodstock. Dies ist eigentlich auch immer noch unser Lieblingsmarkt, obwohl über die Jahre das Verhältnis von Einheimischen zu Touristen deutlich gekippt ist. Deshalb probieren wir heute mal den Oranjezicht Market, der aufgrund seiner Beliebtheit vor ein paar Jahren aus dem Vorort Oranjezicht nach Granger Bay direkt neben der Waterfront umgezogen ist.

Hier gibt es ausschließlich frische lokale Produkte zu kaufen, viele davon aus ökologischer Herstellung. Dazu jede Menge Stände, die kleine Köstlichkeiten zubereiten. Wir haben heute morgen absichtlich nicht gefrühstückt und schlemmen uns erstmal durch. Da es unser letzter Tag ist, dürfen die Mädels auch schon morgens um 10 Uhr ein Eis, während wir in der Sonne sitzen, auf das Meer hinausschauen und einen Red Cappuccino genießen. Trotz der Nähe zur Waterfront ist die Touristendichte sehr gering, hauptsächlich Capetonians verbringen hier ihren Samstagmorgen.

Market_1 Market_2

Wir müssen noch ein paar Mitbringsel shoppen, also gehen wir noch mal kurz rüber zur Waterfront. Dann entscheiden wir uns spontan, den Nachmittag im Botanischen Garten von Kirstenbosch zu verbringen, der jetzt in Frühling an wirklich allen Ecken und Enden blüht. Dieses grüne Refugium auf der Rückseite des Tafelbergs gehört zu den schönsten botanischen Gärten der Welt und ist jedes Mal wieder einmalig, alleine schon durch die Lange am Hang mit den mächtigen Bergen im Hintergrund und einem Blick bis auf das Meer.

Vor ein paar Jahren wurde der Tree Canopy Walkway eingeweiht, eine Art Brücke durch das Blätterdach. Von hier aus hat man eine einmalige Aussicht auf den Park. Mein persönliches Highlight ist immer wieder der Bereich mit den Proteen und Fynbosgewächsen, die gerade allesamt in voller Blüte stehen. Aber es gibt noch weitere Highlights, die optisch weniger spektakulär daherkommen. Der Botanische Garten ist eine Schutzstation für Zykadeen (in englisch Cycads, auf deutsch auch Farnpalmen). Diese Pflanzen stammen aus einer Zeit, als noch Dinosaurier unseren Planeten beherrschten. Viele Arten sind mittlerweile ausgestorben, von anderen Arten stehen einige der letzten Exemplare hier in Kirstenbosch. Die seltenste Art ist inzwischen sogar eingezäunt, da die überlebensfähigen Triebe oft von „Wilddieben“ gestohlen wurden.

Kirstenbosch_1 Kirstenbosch_2

Für einen kleinen Snack gehen wir ins Moyo, das parkeigene Restaurant, welches an einem kleinen See mit tollem Blick auf die Berge liegt. Anschließend fahren wir zurück nach Kapstadt, holen unser Gepäck ab und fahren in Richtung Flughafen. Wie immer ist dieser Urlaub viel zu schnell zu Ende gegangen, hat aber dafür gewaltige Eindrücke hinterlassen. Der Frühling am Kap hat wirklich so einiges zu bieten, dafür kann man gut den einen oder anderen Regentag in Kauf nehmen.

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